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17.06.2015

Die Politik muss handeln: Physiotherapie ist mehr wert – Wir lassen nicht locker – Neues Aktionspaket geschnürt!

Das in der vergangenen Woche vom Deutschen Bundestag verabschiedete GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) bringt Neuerungen für uns Physiotherapeuten.

Mit der Preisangleichungsklausel steigen sogar in einigen Gebieten die Heilmittelpreise in den nächsten Jahren an, weil die Krankenkassen die Vergütungen im Heilmittelbereich innerhalb des jeweiligen Vertragsgebietes – parallel zu den regulären Vergütungsverhandlungen – im Zeitraum 2016 bis 2021 aneinander angleichen müssen. Mehr Infos dazu und den übrigen Punkten im Gesetz finden Interessierte am Ende dieser Meldung.

"Wir erkennen den guten Willen der Politik", erklärt Andrea Rädlein, Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Physiotherapie. "Das Gesetz ändert aber bei weitem nichts an den unzureichenden Einkommensverhältnissen der Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten", betont Andrea Rädlein.

Gute Leistung verdient angemessene Bezahlung – Kampagne geht weiter!

Wir leisten als Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten einen wertvollen Beitrag zur Gesundheitsversorgung. Unser niedriges Gehalt steht dazu allerdings in keinem Verhältnis. Unser Einstiegsgehalt ist oft nahe des Mindestlohnes und lässt sich auch durch selbst finanzierte Weiterbildungen nur wenig steigern. Die physiotherapeutische Ausbildung muss dabei sogar noch aus eigener Tasche finanziert werden. Praxisinhaber könnten – auch wenn sie wollten – keine höheren Gehälter zahlen, weil die erbrachten Leistungen von den Gesetzlichen Krankenkassen nicht ausreichend vergütet werden.

Um diese untragbare Situation in freien Praxen maßgeblich zu ändern, müssen die Honorare für physiotherapeutische Leistungen deutlich erhöht werden. Deshalb hält PHYSIO-DEUTSCHLAND an seiner Forderung für 38,7 % mehr für die Physiotherapie fest. "Wir werden weiter Druck auf die Politik machen. Denn: Wir sind sicher, die Versorgung der Patienten steht auf dem Spiel", so Andrea Rädlein.

Mit der ersten Angestellten-Onlineumfrage sammeln wir noch bis zum 31. Juli 2015 Daten über die Arbeitsbedingungen der angestellten Kolleginnen und Kollegen. Bislang haben schon mehr als 2.800 an der Befragung teilgenommen – Tendenz weiter steigend. Wer noch teilnehmen möchte, findet den Link am Ende dieser Meldung.

Politiker aus erster Hand informiert

In der vergangenen Woche – noch vor den abschließenden Beratungen zum GKV-VSG – haben wir alle 37 Mitglieder des Ausschuss Gesundheit im Deutschen Bundestag persönlich angeschrieben und sie nochmals über die Situation der Physiotherapie in Deutschland informiert. Außerdem haben wir den Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2015 genutzt, um die Belange der Physiotherapeuten in die gesundheitspolitische Diskussion einzubringen.

Wir zeigen weiter auf, dass unsere therapeutische Arbeit nachweislich Kosten spart. Es entfallen häufig nicht nur teure Operationen und langjährige Pflege; ebenso wichtig ist ein volkswirtschaftlich bedeutsamer Abbau von Krankheitsausfalltagen. Physiotherapeuten erhalten die Lebensfreude ihrer Patientinnen und Patienten, die mit einer verbesserten Teilhabe (Partizipation) an Freizeitaktivitäten verbunden ist. Noch immer sind diese Fakten nicht allen Politikern ausreichend bewusst. Das wollen und werden wir ändern!

Denn: Der Praxisalltag unserer Kolleginnen und Kollegen wird immer mehr zu einem Überlebenskampf. Die unzureichende, seit Jahren gedeckelte Vergütung physiotherapeutischer Leistungen macht es immer schwerer, wirtschaftlich zu arbeiten und die Angestellten angemessen zu entlohnen: Etwa 70.000 Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten in angestellten Arbeitsverhältnissen in freien Praxen. Mit durchschnittlichen Gehältern zwischen 1.900 und 2.300 brutto lässt sich keine Familie ernähren. Die Altersarmut ist vorprogrammiert.

Logische Konsequenz ist: Nach offiziellen Statistiken geht die Zahl der Berufsanfänger trotz altersbedingt steigenden Bedarfs zurück. Hohe Ausbildungskosten sowie schlechte wirtschaftliche Bedingungen schrecken ab. Es fehlt  aber nicht nur der Nachwuchs, bundesweit geben vielmehr Physiotherapeuten immer häufiger ihren Beruf auf.

Aktionen gehen weiter – neue Materialien verfügbar, Facebook-Aktion gestartet!

Wir haben im ersten Schritt knapp 180.000 Unterstützerstimmen gesammelt und an die Politik übergeben. Es gab Flashmobs, Diskussionsveranstaltungen und viele Gespräche auf regionalen Treffen. Die Berufsgruppe braucht Veränderungen. Gemeinsam müssen wir es schaffen, die Aufmerksamkeit auf unsere Nöte hoch zu halten.

Wir wollen unsere Unterstützer nicht abschrecken. Wir werben für den Nutzen der Physiotherapie. Die Politik aus Bundes- und Landesebene soll erkennen, wie hoch der Patientennutzen einer physiotherapeutischen Versorgung ist. "Eine finanzielle Aufwertung der Physiotherapie ist die Voraussetzung für den Erhalt dieses wichtigen Versorgungszweiges", untermauert Michael N. Preibsch, stellvertretender Vorsitzender, die Forderung nach 38,7 Prozent mehr Vergütung für physiotherapeutische Leistungen im ambulanten Bereich.

"Wir haben die Kampagnen-Materialien wie Flyer, Patienteninfo und Störer für die Plakate aktualisiert", berichte Michael Preibsch. Mit unseren Materialien tragen wir unsere Forderung an die Öffentlichkeit. Besonders die Sozialen Netzwerke wie Facebook eignen sich hierfür perfekt. Seit heute kann jeder Unterstützer unsere Forderung auf sein Profilbild auf Facebook setzen. Auch viele Politiker sind sehr aktiv auf Facebook. Je mehr Leute sich an dieser Aktion beteiligen, umso größer wird die Aufmerksamkeit sein.

Wir rufen alle Kolleginnen und Kollegen auf, weiter aktiv zu bleiben – zeigt Euch  solidarisch und unterstützt uns! Wir freuen uns auf Euch!

Hier die wichtigsten Links auf einen Blick: