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24.03.2017

PHYSIO-DEUTSCHLAND: richtungsweisende Gesamtvorstandssitzung in Leipzig

Heil- und Hilfsmittelversorgungs- stärkungsgesetz (HHVG), Vergütungsverhandlungen, Fachkräftemangel, Akademisierung – das sind nur vier Themen der umfangreichen Tagesordnung des Gesamtvorstandes von PHYSIO-DEUTSCHLAND. Am 18.und 19. März 2017 tagte das Gremium in Leipzig. Mindestens viermal pro Jahr analysiert, berät und beschließt der etwa 40-köpfige Gesamtvorstand von PHYSIO-DEUTSCHLAND berufspolitische Schritte und mitgliederorientierte Maßnahmen des Verbandes. So auch am vergangenen Wochenende im Anschluss an die therapie Messe in Leipzig.

Auswirkungen des Heil- und Hilfsmittelversorgungsstärkungsgesetzes

Bundestag und Bundesrat haben das Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung bereits beschlossen. "Wir erwarten in den nächsten Tagen die Veröffentlichung des Gesetzes im Bundesanzeiger. Es tritt dann zum 01. April 2017 in Kraft", erklärt Andrea Rädlein, Vorsitzende von PHYSIO-DEUTSCHLAND.

Die Fakten zum Gesetz im Überblick:

  • Keine gesetzliche Obergrenze mehr bei Vergütungsverhandlungen mit den Kostenträgern. Diese Regelung gilt zunächst für drei Jahre von 2017 bis einschließlich 2019.
  • Beschleunigung der Schiedsverfahren, falls die Verhandlungen mit den Kassen scheitern
  • Bundesweit gibt es den Auftrag an die Krankenkassen, Modellvorhaben zur Blankoverordnung mit den Berufsverbänden zu vereinbaren.

 

Bereits seit einigen Wochen beschäftigen sich Arbeitsgruppen in PHYSIO-DEUTSCHLAND mit der Umsetzung der neuen Möglichkeiten im Gesetz. Im Vordergrund stehen dabei die Gebührenverhandlungen und die Entwicklung von Modellvorhaben zur Blankoverordnung.

Vergütungsverhandlungen: Kostenträger haben Botschaft der Politik verstanden

Obwohl das HHVG formal noch nicht in Kraft tritt, laufen die Gespräche und Verhandlungen mit den Kostenträgern dazu bereits seit Wochen. Erste ansehnliche Abschlüsse liegen schon vor, wie zum Beispiel die Gebührenabschlüsse mit den BKKn in den neuen Bundesländern (+8,4 Prozent Prozent), mit den Primärkassen in Berlin (+8,7 Prozent) oder mit den Primärkassen in Rheinland-Pfalz (+8,3 Prozent) und Saarland (+8,5 Prozent). Weitere Preisvereinbarungen mit anderen Krankenkassen stehen kurz vor dem Abschluss.

Der Gesamtvorstand von PHYSIO-DEUTSCHLAND ist sich einig: Acht Prozent sind noch keine 38,7 Prozent, aber sie sind ein erster Schritt. Weitere Stufen müssen und werden folgen. Dafür verhandelt PHYSIO-DEUTSCHLAND hart mit den Kostenträgern! Dass es nicht einfach wird, zeigt der in Interviews gegebene Hinweis des Bundestagesabgeordneten und Physiotherapeuten Dr. Roy Kühne. Er weist darauf hin, dass die finanziellen Mittel der Kassen begrenzt sind und nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Vergütungen um 20 oder mehr Prozent gerechnet werden darf.

Zur Erinnerung: Die 38,7 Prozent unserer Kampagne haben die Gerechtigkeitslücke zwischen den Gehältern im ambulanten und im stationären Bereich beschrieben. Wir haben damit wachgerüttelt und für unsere Situation sensibilisiert – bei der Politik und auch bei den Kostenträgern. Nur dadurch ist dieser Anfang von mehr als acht Prozent – schon vor Inkrafttreten des eigentlichen Gesetzes – überhaupt möglich geworden.
Aktuell laufen die Vorbereitungen für die nächsten Verhandlungen auf Hochtouren. Grundlage unserer Forderungen werden umfangreiche betriebswirtschaftliche Zahlen der Praxen sein.

Datenlage verbessern – gemeinsam und flächendeckend mithilfe von PhysioPrax

Aktuell läuft die bislang größte Befragung von Praxisinhabern zu ihren betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Daran beteiligen sich derzeit die Verbände VPT und PHYSIO-DEUTSCHLAND. Mit dem Projekt PhysioPrax, das im Jahr 2011 von unserem Landesverband Bayern initiiert wurde, entsteht eine realistische Datengrundlage.

Jetzt mitmachen! Je mehr Praxisinhaber sich an PhysioPrax beteiligen, umso valider sind die Daten und umso schlagkräftiger können die Argumente in den Verhandlungen genutzt werden. "Wir rufen alle Praxisinhaber auf, jetzt aktiv zu werden und an PhysioPrax teilzunehmen", erklärt deshalb Andrea Rädlein.

 

Physiotherapieberuf attraktiver machen

Die Weiterentwicklung der Physiotherapie und unseres Berufsbildes ist eines der zentralen Punkte von PHYSIO-DEUTSCHLAND. Dabei steht nachhaltig die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung unserer Patienten im Mittelpunkt. Geringe Vergütung, hohe Ausbildungskosten und mangelnde Autonomie in unserer Berufsausübung senken die Attraktivität unseres Berufes. Das muss sich ändern!

Deshalb setzt PHYSIO-DEUTSCHLAND auf eine Neustrukturierung der physiotherapeutischen Ausbildung ein, die eine vollumfänglich hochschulische (Primär)-Qualifikation als Zugang zum Berufsfeld vorsieht, damit die Physiotherapie auch in Zukunft ihrer verantwortungsvollen Rolle in der Patient*innenversorgung gerecht werden kann. Zu den erforderlichen Maßnahmen gehört eine deutlich verbesserte strukturelle und finanzielle Ausstattung der Berufsfach- sowie Hochschulen und eine Novellierung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Diese und weitere Forderungen bringt PHYSIO-DEUTSCHLAND in die laufenden Wahlkämpfe auf Landes- und Bundesebene aktiv ein.

"Die nächsten Wochen und Monate bleiben spannend. Eines muss jedem Berufsangehörigen klar sein: Je mehr Mitglieder die verhandelnden Berufsverbände haben, umso einflussreicher sind wir gegenüber den Kostenträgern und der Politik", betont Andrea Rädlein, "unsere Berufsgruppe muss zusammenhalten!"