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27.09.2016

Prävention: Informationen rund um die Zentrale Prüfstelle Prävention im Überblick

Sind Sie Anbieter von Präventionskursen oder möchten es werden? Fragen Sie sich, ob Sie Ihre Kurse zertifizieren lassen sollen oder nicht? In diesem Artikel unserer Serie "Prävention" liefern wir Ihnen Informationen und Ansprechpartner rund um die Zentrale Prüfstelle für Prävention.

Prävention als zusätzliches Standbein

Anders als bei Heilmitteln, die grundsätzlich auf Verordnung des Arztes abgegeben werden, gibt es in der Prävention keine vertraglichen Vereinbarungen der Berufsverbände mit den gesetzlichen Krankenversicherungen. Das hat Vor- und Nachteile. Vorteile sind beispielsweise die freie Preisgestaltung und die individuelle Gestaltung der Angebote. Ein Nachteil für einzelne Physiotherapeuten könnte sein, dass sie sich selbst um die Anerkennung und Bezahlung ihrer Angebote kümmern müssen.

Grundsätzlich gibt es zwei Finanzierungsmöglichkeiten bei Präventionskursen:

  1. Physiotherapeuten bieten Präventionskurse ohne Zertifizierung auf Selbstzahlerbasis an. Die Teilnehmer bezahlen die Maßnahme aus der eigenen Tasche und erhalten keinen Zuschuss von ihrer Krankenkasse. 
  2. Physiotherapeuten ermöglichen den Teilnehmern eine teilweise Rückerstattung durch deren Krankenkasse, indem sie ihre Kurse von der Zentralen Prüfstelle für Prävention (ZPP) zertifizieren lassen. Der Teilnehmer zahlt die Maßnahme zunächst selbst, kann sich aber nach erfolgreichem Abschluss zwischen 80 und 100 Prozent der Kosten bei seiner Krankenkasse zurückholen.

 

Für Anbieter von Präventionskursen ist das zunächst eine Grundsatzentscheidung. Fakt ist: Bei der Alternative der Rückerstattung führt kein Weg an der Zentralen Prüfstelle Prävention vorbei. Wie man diese nutzt und bürokratische Hürden am besten meistert, beschreiben wir in den nächsten Abschnitten. Präventionsangebote können unter Umständen umsatzsteuerpflichtig sein. Über Details dazu berichten wir in Kürze hier auf unserer Homepage.

Grundsätzliches zur Zentrale Prüfstelle Prävention

"Die Zentrale Prüfstelle Prävention prüft seit dem 1. Januar 2014 Maßnahmen zur Individualprävention aus den Handlungsfeldern Bewegung, Entspannung, Ernährung und Suchtmittelkonsum nach § 20 Absatz 1 Sozialgesetzbuch V", erläutert Michael Finder, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Prävention im Deutschen Verband für Physiotherapie. Darunter fallen alle Kursangebote von Physiotherapeuten zu diesen Bereichen. Von der ZPP nicht geprüft werden Angebote in Settings wie Betrieben, Kindergärten oder Schulen.

Die ZPP ist von der "Kooperationsgemeinschaft zur kassenartenübergreifenden Prüfung von Präventionsangeboten nach § 20 Abs. 1 SGB V" unter Federführung des Ersatzkassenverbandes und zahlreicher weiteren Krankenkassen gegründet worden. Ziel der Onlinedatenbank ist die einheitliche, vereinfachte und kassenübergreifende Anerkennung von Präventionsangeboten.

Alle teilnehmenden Krankenkassen greifen auf diese Kursdatenbank zurück. Dadurch erreichen die Angebote gut 60 Millionen Versicherte. Das entspricht etwa 80 Prozent der Mitglieder in den gesetzlichen Krankenkassen. Versicherte finden über die Internetseite ihrer Krankenkassen alle Angebote in Wohnortnähe.

Tipps und Hinweise zum Umgang mit der ZPP

Aller Anfang ist mühsam: Zunächst muss sich jeder Anbieter von Präventionskursen online bei der Zentralen Prüfstelle Prävention unter www.zentrale-pruefstelle-praevention.de registrieren. Erst danach können eigene Kurse im System erfasst werden. Zur Antragstellung sollte man alle notwendigen Unterlagen und Dokumente digital parat haben, damit die 60-minütige Logout-Frist die eigene Arbeit nicht hinfällig macht. Welche Unterlagen benötigt werden und wie man Schritt für Schritt vorgeht, beschreibt die Anwenderhilfe der ZPP genau. Klicken Sie hier, um diese herunterzuladen. 

Bei einem individuellen Kurs empfehlen wir, dass sich der Antragsteller vor der Erstellung individueller Stundenverlaufspläne und Teilnehmerunterlagen mit den Download-Dokumenten auf der Startseite der Zentralen Prüfstelle Prävention unter https://www.zentrale-pruefstellepraevention.de vertraut macht. Es ist hilfreich, die Eintragungen für die Datenmaske in einem Word-Dokument vorab anzulegen. Damit kann man sie speichern und bei möglichem Ausloggen ohne Speichern einfach wieder kopieren und einfügen. Eine Vorlage dafür finden Interessierte hier. 

Für Fragen stehen die Mitarbeiter der ZPP montags bis freitags von 9 Uhr bis 17 Uhr über die Hotline unter der Telefonnummer 0201/ 565 82 90 zur Verfügung. Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen, dass die Wartezeiten am Telefon nachmittags kürzer sind als am Vormittag. Bitte beachten Sie die Nummern-Ansage der Hotline und wählen Sie die entsprechende Durchwahl. So gelangen Sie schneller an den richtigen Ansprechpartner für Ihre Frage. Die am häufigsten gestellten Fragen hat die ZPP in einer FAQ-Liste zusammengestellt, hier können Sie einen Blick auf die Liste werfen.

PHYSIO-DEUTSCHLAND: Anerkannte Kurskonzepte vereinfachen die Zertifizierung

Die Erstellung und Eingabe von individuellen Kursen ist arbeitsaufwendig und mühsam. Einfacher und schneller erhält man seine Zertifizierung mit einem bereits von der ZPP anerkannten Kurskonzept. Dazu haben unsere Arbeitsgemeinschaften Prävention (AG P) und Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie und Proktologie (AG GGUP) Präventionskonzepte bei der ZPP eingereicht. Aktuell sind sieben Kurskonzepte von PHYSIO-DEUTSCHLAND bei der ZPP anerkannt und führen damit zu einer vereinfachten Zertifizierung. Hier die Übersicht:  

  • Präventions- und Gesundheitstrainer, dazu zählen:
    - Gesundes Nordic-Walking, Gesundes Walking, Gesundes Joggen
    - Fit ins Alter - Fit im Alter
    - Rundum-Fit - Funktionelles ganzheitliches Ausdauertraining mit Musik und Rhythmus
    - Präventive Rückenschule
    - RückenGesundheit Kinder
    - Wirbelsäulentrainer – Faszi(e)nierende Wirbelsäule

Weitere Kurskonzepte der AG Prävention werden aktuell bearbeitet und Ende diesen Jahres/Anfang nächsten Jahres bei der ZPP zur Zertifizierung eingereicht.

  • Beckenbodenschule©

 

Bei einem standardisierten Kurs müssen keine individuellen Stundenverlaufspläne und Teilnehmerunterlagen mehr eingereicht, sondern "nur noch" das jeweilige zertifizierte Konzept unter "Verfügbare Konzepte" ausgewählt und angeklickt werden. Die Grundqualifikation (Physiotherapeut) und die Zusatzqualifikation/en – also das jeweilige Kurszertifikat – müssen anschließend hochgeladen werden. Der Kurs wird dann automatisch anerkannt. Das spart Zeit, Nerven und Geld.

Arbeitsgemeinschaft Prävention: Ihr Ansprechpartner im Verband

Die Arbeitsgemeinschaft Prävention im Deutschen Verband für Physiotherapie berät Mitglieder des Verbandes zum Umgang mit der ZPP. Interessierte erreichen die Kollegen immer mittwochs zwischen 14:30 Uhr und 16:30 Uhr unter der Telefonnummer 05621/7818718. Außerdem noch donnerstags zwischen 8 Uhr und 9:30 Uhr unter der Nummer 0 29 41/286 88 6 . Wer lieber eine E-Mail schreibt, der schickt diese an ag-praevention(at)physio-deutschland.de.

Ergänzend zur telefonischen Beratung veranstaltet die AG Prävention im Jahr 2017 Jahr verschiedene Workshops zum Thema ZPP. Die nächsten Termine sind am 10. März 2017 in Stuttgart beim Landesverband Baden-Württemberg und am 06. Juli 2017 in Berlin beim Länderverbund Nordost. In den Workshops geht es um das Erstellen von Stundenverlaufsplänen, das Erstellen von Teilnehmerunterlagen, das Hochladen von Dokumenten und den Unterschied von zertifizierten Kursen und standardisierten Konzepten. Außerdem werden die Fristen der ZPP, die Anerkennung von Seminaren zur Verlängerung der Rückenschul-Lehrerlizenzen und ganz grundsätzlich die Inhalte des Leitfaden für Prävention erläutert. Infos zu diesen Angeboten gibt es bei der AG Prävention und den Landesverbänden. 

Bürokratie als Hemmschuh für physiotherapeutische Angebote zur Individualprävention

Als "bürokratisches Monster" bezeichnen viele Physiotherapeuten die ZPP. Die bürokratischen Hürden und der Zeitaufwand seien unverhältnismäßig hoch. "Dem stimmen wir uneingeschränkt zu", betont Michael N. Preibsch, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Verbandes für Physiotherapie.

Als Verband unterstützen wir unsere Mitglieder auf drei Arten:

  • Wir sprechen Mängel beim Zertifizierungsprozess direkt bei den Verantwortlichen der ZPP an. 
  • Unsere Arbeitsgemeinschaften arbeiten an Kurskonzepten, die zur vereinfachten Anerkennung verhelfen. 
  • Wir beraten und unterstützen unsere Mitglieder durch das Beratungstelefon der Arbeitsgemeinschaft Prävention bei allen Fragen zur Zentralen Prüfstelle Prävention.

 

"Wir bleiben weiter an dem Thema ZPP dran und suchen den direkten Kontakt mit den Verantwortlichen", erklärt Michael N. Preibsch. "Wir dürfen uns in der Individualprävention aufgrund bürokratischer Hürden dieses wichtige Tätigkeitsfeld nicht aus der Hand nehmen lassen", betont der Präventionsspezialist.

Haben Sie Fragen zur ZPP? Dann wenden Sie sich bitte an unsere Arbeitsgemeinschaft Prävention info(at)ag-pravention.de  oder schicken Sie die Fragen an info(at)physio-deutschland.de. Wir leiten diese dann für Sie weiter.

Haben Sie Fragen zum Artikel oder zur Serie "Prävention"? Dann schreiben Sie diese gerne an info(at)physio-deutschland.de. Alle bisherigen Artikel der Serie finden Interessierte hier.