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10.08.2016

Arbeitsgemeinschaften stellen sich vor – Teil 3: AG Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie und Proktologie

Inkontinenz, Brustkrebs, Störungen der Darmfunktion oder auch Störungen in der Sexualität - das sind Diagnosen und Einschränkungen, über die Betroffene nicht gerne und offen reden. Über Rückbildungsgymnastik nach der Geburt oder Geburtsvorbereitung schon eher. Bei all diesen und zahlreichen weiteren Beschwerden können die Spezialistinnen der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie, Geburtshilfe, Urologie und Proktologie (AG GGUP) im Deutschen Verband für Physiotherapie den Patienten gezielt weiterhelfen.

Seit 31 Jahren gibt es die AG im Verband und die Expertinnen sind bundesweit aktiv. Es finden zwei Mitgliederversammlungen und drei Referententagungen pro Jahr statt. 16 regionale Arbeitskreise ermöglichen Interessenten einen kontinuierlichen Austausch zu spezifischen Themen unter Kollegen. Nicht selten sind Experten aus dem Bereich der AG Einzelkämpfer in ihren Praxen. Gerade dann bieten die Veranstaltungen der AG die Möglichkeit zum Netzwerken und über den eigenen Tellerrand schauen. Für alle Interessierten bieten die Referentinnen der AG GGUP circa 60 fachspezifische Fortbildungen jährlich an. Physio Pelvica heißt die Modulausbildung für Physiotherapeuten, die inzwischen bei Ärzten und Patienten für besondere Qualität steht und von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft empfohlen wird. Im Bereich der Prävention ist die Beckenbodenschule© eine von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifizierte Fortbildung.

Prävention ist ein gutes Stichwort. Das Tätigkeitsfeld der AG hat sich seit Gründung der Arbeitsgemeinschaft stets erweitert. Denn: Physiotherapie in der Gynäkologie, Urologie, Proktologie und Geburtshilfe kann in der Prävention, Kuration und Rehabilitation einen wertvollen Beitrag leisten. Erforderlich sind dafür funktionelle Kenntnisse über anatomische und physiologische Zusammenhänge zwischen Beckenboden, Bauchmuskulatur, Rückenmuskulatur und Zwerchfell. „Wir stimmen unsere Maßnahmen befundorientiert und individuell auf die Patientin/den Patienten ab. Dabei spielen Atmung, Haltung, Einwirkung der Schwerkraft und das Alltagsverhalten eine wichtige Rolle in der Therapie“, unterstreicht Almut Köwing den Anspruch der Expertinnen.

Blick hinter die Kulissen – im Gespräch mit Almut Köwing

Liebe Almut, wir haben jetzt schon einiges über die Arbeit Eurer AG gelesen. Was macht Ihr denn sonst noch so? 

Schwerpunkte unserer fachlichen Arbeit sind die Therapie von Funktionsstörungen im Becken bei Frauen, Männern und Kindern sowie die Behandlung bei Brustkrebs oder während und nach einer Schwangerschaft. Schon allein unser Tätigkeitsfeld erfordert ein besonders Maß an Öffentlichkeitsarbeit. Wir halten Vorträge, erstellen Publikationen und sind auf Veranstaltungen mit unseren Informationsmaterialien präsent. Wir arbeiten außerdem intensiv an der Entwicklung von Leitlinien mit und kooperieren mit ärztlichen Fachgesellschaften sowie Selbsthilfeorganisationen. Ganz besonders wichtig ist uns die fachspezifische und bundesweite Therapeutenliste: Wir erstellen und aktualisieren diese regelmäßig, damit jeder Patient einfach und schnell einen Ansprechpartner in seiner Nähe findet.

Was war für Dich ein besonderer Meilenstein als Leiterin der AG GGUP?

Da gibt es einige J. Zwei Beispiele – ein berufspolitisches und ein fachliches: Die Physiotherapie hatte lange keine eigene Vertretung in der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Nun bin ich dort Mitglied des Expertenrats. Das freut uns Physios sehr, weil wir dadurch unser fachliches Know-How dort einbringen können. Aus therapeutischer Sicht halte ich die Einführung der vaginalen Palpation innerhalb der Physiotherapie für einen Schritt, der die Befunderhebung in unserem Bereich professionalisiert hat. Mein Dank gilt hier auch Astrid Landmesser und Louise de Nijs-Renken, die sich in diesem Bereich besonders engagiert haben.

Gibt es etwas, was Du den in Deinem Bereich tätigen Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben möchtest?

Alle Physiotherapeuten sind Spezialisten – der Austausch untereinander ist unglaublich bereichernd. Es braucht so viele unterschiedliche Talente in unserer Arbeitsgemeinschaft, um alle unsere Ideen umzusetzen. Mein Appell an unsere KollegInnen: Werdet aktiv in den regionalen Arbeitskreisen und in der Arbeitsgemeinschaft GGUP!

Liebe Almut, vielen Dank für das Gespräch und den Einblick in das Tätigkeitsspektrum Eurer Arbeitsgemeinschaft. Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg, viele interessierte Kollegen und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit Euch allen.

Das Gespräch führte Ute Merz, Physiotherapeutin und Pressereferentin des Deutschen Verbandes für Physiotherapie.


Wenn Sie mehr über die AG GGUP erfahren möchten, schreiben Sie an ag-ggup(at)physio-deutschland.de oder schauen Sie auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft im Internet unter http://www.ag-ggup.de vorbei. Dort finden Sie Ansprechpartner, Inhalte und auch die Therapeutenlisten nach Bereichen sortiert.