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14.09.2018

Auf ein Gespräch mit dem Minister – Lagebericht zum Treffen mit Jens Spahn

Das langerwartete Gespräch am 13.09. mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist zu Ende und der Geschäftsführer von PHYSIO-DEUTSCHLAND Thorsten Vogtländer hat uns seine ersten Eindrücke vom Treffen geschildert. „Es war ein gutes und ernsthaftes Gespräch, in dem das Ziel, die Branche voranzubringen, eingehend diskutiert wurde“, berichtet Thorsten Vogtländer unmittelbar nach Ende des Treffens. Auf der Agenda standen Themen wie Vergütung, Novellierung der Ausbildung, Schulgeldfreiheit, Ausbildungsvergütung, Akademisierung, Direktzugang, Blankoverordnung und Bürokratieabbau.

Zu Beginn des Treffens wurde über das Thema Vergütung und notwendige Veränderungen gesprochen. Thorsten Vogtländer verwies dabei auf das Problem der nach wie vor unzureichenden Vergütung der Praxen, deren Folge teilweise Gehälter der Angestellten von durchschnittlich ca. 1700,- Euro brutto sind, wie etwa in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Eine Gebührenanpassung in Höhe von durchschnittlich ca. 30 Prozent, die nur zum Teil und über mehrere Jahre verteilt in den Praxen ankommt, ist ein erster wichtiger Schritt. Er reicht aber längst nicht aus, um den Beruf in finanzieller Sicht attraktiver zu gestalten.


Es folgte eine Diskussion über die Themen Novellierung der Berufsgesetze und der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, bei der der Minister zusagte, diesen Themenkomplex zügig in Angriff zu nehmen. Jens Spahn erklärte weiter, dass das Thema Schulgeldfreiheit zwar im Koalitionsvertrag bereits vereinbart ist, die Bundesländer aber nun diesbezüglich in die Pflicht genommen werden müssen. Deutliche Worte fand er zum Thema Akademisierung. Der Minister äußerte klar, dass mit ihm eine grundständige/primärqualifizierende akademische Ausbildung nicht für alle (!) angehenden Physiotherapeuten („Vollakademisierung“) umsetzbar ist. Dem schloss sich eine längere, kontroverse Diskussion an.


Beim Thema Modellvorhaben Direktzugang äußerte der Minister Bedenken hinsichtlich der damit möglicherweise verbundenen Mengenausweitungen. Der Geschäftsführer von PHYSIO-DEUTSCHLAND wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Fachkräftemangel einer befürchteten Mengenausweitung entgegenstünde. Thorsten Vogtländer legte ebenfalls dar, dass die Mengenentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung in einigen Bundesländern zwischenzeitlich sogar rückläufig wäre. Außerdem bezog er sich auf das aktuelle Gutachten des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen, in dem empfohlen wird, die Blankoverordnung und (!) den Direktzugang im Rahmen der Behandlung von Rückenschmerzpatienten parallel zu erproben.


Der Minister schloss das knapp dreistündige Gespräch mit der Zusage, dass das Bundesgesundheitsministerium innerhalb der nächsten 1 – 2 Wochen Vorschläge zu den diskutierten Themen vorlegen wird.


Unser Fazit: Jens Spahn zeigte sich wie erwartet offen und diskussionsfreudig. Der Minister ist über die Situation in der Branche bestens informiert. Der vor dem Treffen an die Verbände versendete Fragenkatalog des Ministeriums enthielt bereits erste Hinweise dazu, welche Themen das Ministerium als dringlich erachtet. So scheinen angesichts der geführten Diskussion Veränderungen bei der Vergütung, die Novellierung der Ausbildung sowie die Abschaffung des Schulgeldes im Fokus des Ministeriums zu stehen. Es bleibt aber nun abzuwarten, welche konkreten Vorschläge der Minister erarbeiten und vorlegen wird. Erst dann kann beurteilt werden, ob dies aus Sicht der Branche zum erhofften Ergebnis führt. Spätestens auf dem Therapiegipfel des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände am 27.09. in Berlin – der Minister hat seine Teilnahme zugesagt - wissen wir mehr.
Weitere Informationen zum Therapiegipfel finden Sie hier: www.shv-heilmittelverbaende.de/therapiegipfel