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23.08.2018

Berufspolitik: "Wir lassen nicht locker bei der Politik, weitere Verbesserungen müssen kommen"

Noch läuft die parlamentarische Sommerpause in Berlin, aber die berufspolitischen Uhren stehen alles andere als still. Im Gespräch berichtet Andrea Rädlein, Vorsitzende von PHYSIO-DEUTSCHLAND, was gerade so läuft und was die nächsten Ziele von PHYSIO-DEUTSCHLAND sind.

Liebe Andrea, berufspolitisch ist aktuell einiges in Bewegung. Wie siehst Du die aktuellen Entwicklungen?

Was wir Therapeuten brauchen, sind Lösungen. Wir brauchen mehr Geld im System für Physiotherapeuten. Wir brauchen deutlich weniger Bürokratie und attraktivere Rahmenbedingungen für unseren Beruf. Zu diesen Fragen führen wir viele Gespräche in Berlin und bundesweit.

Wir sprechen beispielsweise mit dem GKV-Spitzenverband über Bürokratieabbau in der Praxis. Wir tauschen uns aus mit Verantwortlichen im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) über innovative Versorgungsformen und wir drücken auf die Tube bei allen Gesundheitspolitikern in Berlin. Die Gespräche laufen unter anderem auch im Rahmen der Sommeraktion des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) und werden von allen Vertretern der fünf Mitgliedsverbände geführt.

Am 13. September 2018 hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Verbände zum Gespräch eingeladen? Was erwartest Du Dir davon konkret?

Zunächst einmal bin ich Jens Spahn dankbar, dass er Informationen aus erster Hand möchte und die drängenden Themen rund um den Fachkräftemangel in der Physiotherapie seine Aufmerksamkeit haben. Die Fakten aus dem Heilmittelbereich wie zum Beispiel, dass wir neben den 30-prozentigen Erhöhungen bis Mitte 2019 nochmal mindestens 30 Prozent mehr Geld benötigen, um die prekäre Situation der Physiotherapeuten in Deutschland tatsächlich nachhaltig zu verbessern, haben wir im SHV-Vorstand ausgearbeitet und für den Minister vorbereitet. Mir persönlich geht es um konkrete Lösungsansätze, die zeitnah umgesetzt werden.

Am 27. September 2018 wird Jens Spahn den ersten Therapiegipfel des SHV in Berlin mit einem Statement eröffnen. Wir haben im September also gleich zweimal die Gelegenheit, mit dem Bundesgesundheitsminister persönlich über Lösungen für uns Therapeuten zu sprechen. Über Lösungen, die die therapeutische Patientenversorgung in Deutschland sichern sollen. Das nämlich ist die Aufgabe des Ministers.

Im Herbst steht auch noch die Überarbeitung der Heilmittelrichtlinie an. Wie ist denn da die Position von PHYSIO-DEUTSCHLAND?

Anfang des Jahres haben wir mit einem online Aufruf  und auf Facebook alle Physiotherapeuten aufgefordert, aus der täglichen Praxis im Umgang mit fehlerhaften Verordnungen zu berichten. Der Rücklauf war enorm! Vielen Dank an alle, die unserem Aufruf gefolgt sind. Aus den Rückmeldungen und unseren eigenen Erfahrungen haben wir einen umfangreichen Forderungskatalog zusammengestellt und haben die Gespräche mit den Krankenkassen und den Ärzten intensiviert.

Uns geht es dabei um ganz praktische Dinge, wie zum Beispiel das Prinzip "neuer Arzt ist gleich neuer Regelfall". Außerdem fordern wir mehr Spielraum beim Behandlungsbeginn oder auch dass verschiedene Diagnosegruppen zusammengefasst werden. Ziel muss sein, den bürokratischen Aufwand zu verringern und die Verordnungspraxis für Ärzte, Therapeuten und selbstverständlich auch für Patienten zu vereinfachen. Mit der Einleitung des Stellungnahmeverfahrens durch den G-BA zur Überarbeitung der Heilmittel  - mit dem in Kürze gerechnet wird - werden wir erfahren, ob unsere Forderungen nach Entbürokratisierung der Heilmittelrichtlinie auf offene Ohren gestoßen sind.

Gerade in den Sozialen Medien wird viel über die Arbeit der Verbände diskutiert, Lob ist da eher Mangelware. Wie empfindest Du das?

In erster Linie freut es mich, dass viele Kolleginnen und Kollegen aktiver werden und mit eigenen Aktionen für Aufmerksamkeit vor Ort und regional sorgen. So zum Beispiel aktuell mit der Kreideaktion, die Rieke Guhl ins Leben gerufen hat.

Ja, ich verfolge viele Diskussionen in den Sozialen Medien intensiv und bin offen für einen direkten Dialog mit Leuten, die was bewegen wollen. In den letzten Wochen habe ich mich mit zahlreichen Kollegen und Vertretern von anderen Verbänden persönlich getroffen. Bei allen Treffen haben wir festgestellt, dass wir in der Sache und mit unseren Zielen nicht auseinander liegen. Die Kommunikation in den Sozialen Medien macht das manchmal nicht ausreichend deutlich.

Ich kann manche Kritiker aber auch verstehen. Mir persönlich geht es in der Berufspolitik auch viel zu langsam. Um mehr über Zwischenschritte, aktuelle Beratungen und über das, was wir als Verband tun, zu berichten, haben wir unsere Öffentlichkeitsarbeit gerade mit einer neuen Kollegin verstärkt. Tanja Schäfer wird speziell in den Sozialen Medien unsere inhaltliche Arbeit stärker als bislang darstellen.

Was sind Deine persönlichen Ziele für den berufspolitischen Herbst 2018?

Wir lassen nicht locker bei der Politik, weitere Verbesserungen müssen kommen – und zwar zeitnah! Mir geht es um ganz konkrete Verbesserungen für jeden einzelnen Kollegen, für jedes einzelne Mitglied von PHYSIO-DEUTSCHLAND. Ich glaube, dass wir in diesem Herbst dafür die Weichen stellen können. Dazu ist viel inhaltliche Ausarbeitung erforderlich. Wir arbeiten fortlaufend an Lösungsansätzen, die wir in die politische Diskussion einbringen, so beispielsweise aktuell an einem deutlich modernisierten Berufsgesetz für die Physiotherapie. Da knöpfen wir uns beispielsweise die Zertifikatspositionen vor und schauen, wie wir das besser in der Ausbildung verankern können.

Mein persönliches Ziel ist es, dass jeder Praxisinhaber und alle Angestellten eine bessere finanzielle Perspektive haben und unserem Beruf nicht den Rücken kehren. Ich will, dass Schüler und Studierende nicht länger für ihre Ausbildung bezahlen müssen. Ich setze mich außerdem ein für eine moderne Physiotherapie in Deutschland ein und dafür, dass unser Berufsgesetz eine neue, bessere Zukunft für uns Physiotherapeuten in Deutschland regelt. Das muss zügig passieren und darf von der Politik nicht wieder Jahre auf die lange Bank geschoben werden. Dafür mache ich mich stark!

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Ute Merz, Physiotherapeutin und Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit bei PHYSIO-DEUTSCHLAND.