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31.08.2005

Ulla Schmidt: Sturzverletzungen vorbeugen - Präventionsprojekt senkt die Zahl der Stürze um 28 Prozent

Vier bis fünf Millionen Stürze ereignen sich pro Jahr in Deutschland – vor allem ältere Menschen sind gefährdet. Doch diesen Gefahren kann man vorbeugen.

Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des im Geriatrischen Zentrum Ulm/Alb-Donau im Zeitraum von April 2002 bis März 2005 durchgeführten Modellprojekts zur Sturzprävention. Mit rund einer Million Euro wurde das Projekt maßgeblich vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung gefördert.

Dazu erklärt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: \"Die Menschen werden immer älter. Und sie wollen, möglichst bis ins hohe Alter gesund und selbständig bleiben. Stürze gehören zu den häufigsten und auch bedeutsamen gesundheitlichen Problemen alter Menschen. Insofern sind qualitätssichernde Maßnahmen zur Vermeidung von sturzbedingten Verletzungen für die Gesundheit im Alter von erheblicher Bedeutung. Projekte zur Sturzprävention, wie die des Geriatrischen Zentrums Ulm/ Alb-Donau werden von mir daher ausdrücklich begrüßt und unterstützt. Denn hier wird mit relativ einfachen Mitteln eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bei den Senioren erreicht.\"

Wichtige Ergebnisse des Modellprojektes \"Mobilitätsverbesserung und Sturzprävention bei zu Hause lebenden hilfs- und pflegebedürftigen Älteren\"

Durch körperliches Training und das Entfernen von Fallstricken im Haushalt sank die Zahl der Stürze bei hilfs- und pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren um 28 Prozent. Die Zahl der mehrfach stürzenden Personen ging sogar um 40 Prozent zurück. Auch die Häufigkeit von Hüftfrakturen konnte deutlich gesenkt werden. Positiver Nebeneffekt: Mehr als ein Drittel der Teilnehmer hatte später weniger Angst vor Stürzen, viele fühlten sich wesentlich zufriedener.

Einmal pro Woche trainierten die mehr als 500 älteren Menschen aus dem Raum Ulm und Heidenheim bei sich zu Hause mit einem Physiotherapeuten. Mit Hanteln und Gewichtsbandagen stärkten sie vor allem die Muskeln, die beim Treppensteigen oder beim Aufstehen vom Stuhl wichtig sind. Und durch einfache Schrittkombinationen wie bei Volkstänzen verbesserten sie ihr Balancegefühl. Außerdem nahm eine Ergotherapeutin die Haushalte der Teilnehmer genau unter die Lupe. Sie suchte nach Gefahrenquellen, wie losen Telefonkabeln, rutschigen Badezimmerfliesen oder Teppichen und beriet die Bewohner. Einige Teilnehmer senkten ihr Verletzungsrisiko zudem durch einen Hüftprotektor; das sind Hüftschutzhosen, die beim Sturz die Knochen schützen.

Mit dem Physiotherapeuten arbeiteten die Seniorinnen und Senioren zunächst alleine zu Hause. Später konnten sie bei einem Gruppentraining zusammen gegen Stürze vorsorgen. Zwischenzeitlich hatten sich so 30 feste Gruppen gebildet. Vor allem Alleinstehende profitierten von diesem Gruppenangebot und gaben später an, sich wesentlich zufriedener zu fühlen.

Das Projekt kam auch bei den Krankenkassen gut an. Die AOK Baden-Württemberg hat Sturzprävention in ihren Leistungskatalog aufgenommen. Verhandlungen mit anderen gesetzlichen Krankenkassen laufen. Denn für die Kassen zahlt sich Prävention aus, da die Kosten für sturzbedingte Verletzungen zurückgehen. Wie etwa Berechnungen der Hamburg Münchener Krankenkasse ergaben, konnten durch ein Sturzprophylaxe-Modell der Krankenkasse mehrere Millionen Euro eingespart werden.

Den Abschlussbericht zum Ulmer Modellprojekt gibt es unter www.aktivinjedemalter.de.

Informationen zur Vorbeugung von Stürzen sind außerdem bei Wohnberatungsstellen erhältlich. Adressen in Wohnortnähe vermittelt in der Regel das Sozialamt.

Weitere Informationen zu Prävention und Gesundheitsförderung im höheren Lebensalter gibt es in der Broschüre „Gesund altern“. Die Broschüre gibt es unter der Bestell-Nr. A 300 beim Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung, Referat Öffentlichkeitsarbeit, 11017 Berlin oder unter www.bmgs.bund.de/deu/gra/publikationen/p_8.php.