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06.10.2010

Barmer GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2010 in Berlin präsentiert

Auch in diesem Jahr thematisiert der Heilmittelreport vorhandene Unter- beziehungsweise Überversorgungen im Bereich der Heil- und Hilfsmittel. Physiotherapeutische Schwerpunktthemen in diesem Jahr sind Kinder und die Versorgung von unheilbar kranken Tumorpatienten.

Im Jahr 2009 war fast jeder sechste Versicherte der Barmer GEK in physiotherapeutischer Behandlung. Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen (ZeS) stellt fest: "Am Anfang des Lebens wird Physiotherapie häufig scheinbar zu schnell eingesetzt, am Ende eines Lebens wird sie dagegen zu sparsam verwendet".

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Der Herausgeber und die Autoren des Barmer GEK Heil- und Hilfsmittelreports 2010 (v.l.n.r.): Claudia Kemper (ZeS), Dr. Rolf-Ulrich Schlenker (stellv. Vorsitzender der Barmer GEK), Prof. Dr. Gerd Glaeske (ZeS), Kristin Sauer (ZeS) und Kathrin Kaboth (ZeS)


Unterversorgung im Bereich der Palliativmedizin

Etwa 90 Prozent der Patienten, die in der Palliativmedizin behandelt werden, haben Tumorerkrankungen. Nur knapp 18 Prozent von ihnen erhielten bislang physiotherapeutische Maßnahmen. In diesem Bereich liegt eine klare Unterversorgung mit Physiotherapie vor. Und das, obwohl bekannt ist, dass Physiotherapie ein notwendiger Bestandteil der Heilmittelversorgung in der Palliativmedizin ist. Physiotherapie eignet sich beispielsweise zur Vorbereitung, Begleitung und Regeneration medikamentöser oder anderer Therapien. Außerdem kann Physiotherapie Nebenwirkungen und Schmerzen erfolgreich lindern. Der ZVK setzt sich als Berufsverband aktiv dafür ein, dass sich die physiotherapeutische Versorgung von unheilbar kranken Patienten verbessert und hat sich unter anderem in den letzten zwei Jahren intensiv an der Erarbeitung der Anfang September erschienenen "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland" beteiligt. "Dieses Thema liegt uns besonders am Herzen, da wir wissen, welchen großen Beitrag Physiotherapeuten leisten können, um die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern. Wir sind froh, dass der diesjährige Heil- und Hilfsmittelreport dieses Thema aufgreift und Fakten dazu liefert", betont die stellvertretende Vorsitzende des ZVK, Andrea Rädlein.


Rückenschmerzen bei Kindern: Mehr Schmerzmittel als Physiotherapie

Fast fünf Prozent (4,7 Prozent) aller in der GEK versicherten Kinder im Alter bis zu 13 Jahren erhielten im Jahr 2008 Physiotherapie. Knapp die Hälfte der Kinder (46,45 Prozent) war wegen einer Erkrankung der Wirbelsäule und des Rückens beim Arzt. Rund 29 Prozent der Kinder mit entsprechender Diagnose erhielten Physiotherapie. In mehr als der Hälfte (51 Prozent) der Fälle verordnete der Arzt den Kindern jedoch Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol. Die Autoren des Heil- und Hilfsmittelreports 2010 stellen fest, dass physiotherapeutische Interventionen im Rahmen eines salutogenetischen Ansatzes zur Steigerung der Ressourcen von Kindern erfolgen sollten. Damit ließe sich eine Fehlversorgung und Medizinierung der Kinder reduzieren.


Informationen zur Barmer GEK

Seit dem 1. Januar 2010 haben die Barmer Ersatzkasse und die GEK fusioniert. Damit hat die Kasse derzeit 8,5 Millionen Versicherte und verfügt über einen Haushalt von circa 22 Milliarden Euro.

Einen ausführlichen Bericht über den Barmer GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2010 gibt es in der November-Ausgabe des ZVK-Journals. Außerdem berichten wir über die Mitarbeit des ZVK an der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland. Erscheinungstermin ist der 15. November 2010.

Ute Merz
Pressereferentin des ZVK