Mitglied werden
12.05.2006 – Bundesverband

Gegenwind für AOK-Hausärztevertrag in Berlin mit Einbindung von Physiotherapeuten, ambulanten Pflegediensten und stationären Partnern

Hausärzteverband und Körperschaft wollen prüfen, ob das Projekt die Vorgaben für IV-Versorgung erfüllt.
Das erste Projekt zur hausarztbasierten integrierten Versorgung der AOK Berlin stößt auf große Skepsis beim Hausärzteverband und der KV in Berlin. Beide zweifeln, ob das Projekt den Kriterien für Integrierte Versorgung gerecht wird. Es entsteht der Eindruck, als ob die AOK nur einen Vorwand gesucht hat, um einen Integrationsvertrag zu konstruieren\", sagte der Vorsitzende des Berliner Hausärzteverbands Dr. Wolfgang Kreischer der \"Ärzte Zeitung\". Die KV Berlin kündigte an, wie beim Barmer-Hausarzt-Vertrag auch in diesem Fall prüfen zu lassen, ob der Vertrag die Kriterien der Integrierten Versorgung nach Paragraph 140a SGB V erfüllt. Die vorgesehene Einbindung von Physiotherapie und Pflege muss dazu nach KV-Meinung nicht ausreichen. Ähnlich Kreischer: \"Wenn das ein 140er-Vertrag ist, dann ist der Barmer-Vertrag allemal einer.\" Dagegen zeigt sich die AOK Berlin überzeugt, dass ihr Projekt den Kriterien der Integrierten Versorgung genügt. \"Wir haben keine Zweifel, dass der Vertrag den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Er erfüllt sowohl die Kriterien der fachübergreifenden interdisziplinären als auch der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit\", sagte AOK-Sprecherin Gabriele Rähse. Zur Erinnerung: Die Kasse hat mit 20 Hausärzten, die sich zum Netzverbund Nordost zusammengeschlossen haben, einen Integrationsvertrag für drei Bezirke im Nordosten der Hauptstadt geschlossen. 16 Fachärzte für Allgemeinmedizin, vier Hausarzt-Internisten, ein Neurologe/Psychiater und ein Urologe wirken aktuell mit. Angelaufen ist, so die AOK, die Einbindung weiterer Fachärzte, ambulanter Pflegedienste, Physiotherapeuten und von stationären Partnern. Für ihren Integrationsvertrag mit knapp zehn Prozent der Hausärzte in den drei Bezirken will die AOK Berlin 0,07 Prozent von der Gesamtvergütung der niedergelassenen Ärzte in der Hauptstadt abziehen. Vor diesem Hintergrund warnt Kreischer: \"Das kann ein Bumerang für die AOK werden, wenn die anderen 90 Prozent der Hausärzte in diesen Bezirken bei AOK-Patienten nur noch Dienst nach Vorschrift streng nach dem Sozialgesetzbuch machen.\" Zweifel äußern KV und Hausärzteverband auch an den von der AOK genannten Vorteilen für Patienten. Die Behandlung von akut erkrankten Patienten und ein angeforderter Rückruf beim Patienten am selben Tag seien auch in der Regelversorgung selbstverständlich, so KV-Sprecherin Annette Kurth. \"Das machen wir doch sowieso\", bestätigt Kreischer. Auch Verzögerungen bei der Hilfsmittelversorgung sind nicht bekannt. Die AOK gibt an, dass bei dem Integrationsprojekt das Antrags- und Genehmigungsverfahren vereinfacht wird und Stoma- und Inkontinenzartikel direkt geliefert werden Quelle: Ärzte-Zeitung vom 11.05.2006