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15.02.2019

Therapie bei Gonarthrose: Welche Übungen sind evidenzbasiert?

Bewegungstherapie besitzt die höchste Empfehlungsstufe bei Gonarthrose. Welche Bewegungsformen im Einzelnen zur Therapie geeignet sind, stellen wir Ihnen heute mittels einer Studie vor, die auch in der S2k-Leitlinie Gonarthrose Berücksichtigung fand.

Golightly et al. untersuchten in einer systematischen Übersichtsarbeit, welche Bewegungsinterventionen bei Gonarthrose besonders erfolgsversprechend sind. Die Autoren sichteten dazu Studien der Jahre 1997 bis 2012 in verschiedenen physiotherapeutischen und medizinischen Datenbanken. In die Betrachtung aufgenommen wurden Studien, die ein definiertes Übungsprogramm durchführten und dessen Erfolg erhoben.
Innerhalb der ausgewählten Studien wurden folgende Bewegungsprogramme untersucht:

  • Ausdauertraining in Form von: 
    Walking 
    Radfahren
     

  • Krafttraining in Form von:
    Progressivem Gerätetraining in hoher Intensität an zwei bis drei Tagen pro Woche
    Moderatem bis intensivem Gerätetraining an drei Tagen pro Woche
    Individuellem Gerätetraining in Kombination mit dehnenden oder bewegungserweiternden Übungen Kräftigungsübungen mit dem eigenen Körpergewicht z.B. zur Stärkung des M. quadriceps femoris
     

  • Beweglichkeitstraining in Form von:
    Propriozeptiven Übungen basierend auf Aktivitäten des Alltags, z.B. Treppensteigen
     

Außerdem flossen zahlreiche kombinierte Bewegungsprogramme in die Untersuchung mit ein, die jeweils Anteile an Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitsübungen enthielten oder nicht eindeutig zu einer Kategorie zugeordnet werden konnten (z.B. Tai Chi). Zusätzlich wurden Übungsprogramme im Wasser untersucht.
Die Untersuchung von Golightly et al. kommt zu dem Ergebnis, dass reines Ausdauertraining ebenso wie progressives Krafttraining die Schmerzen bei Gonarthrose Patienten reduzieren kann und die physische Funktion des Gelenks verbessert. Dabei war es unerheblich, ob das Training zu Lande oder im Wasser durchgeführt wurde. Die gemessenen Ergebnisse waren ähnlich stark, wie bei der Einstellung mit Schmerzmitteln (NSAR).

Alternative Trainingsformen wie Tai Chi oder propriozeptive Übungen scheinen ebenfalls positive Effekte erzielen zu können. Sie verfügen jedoch über eine schwächere Evidenz und bieten sich daher zum Beispiel als Trainingsvariante an.
Einige eingeschlossene Studien konnten außerdem zeigen, dass begleitete Übungseinheiten bessere Ergebnisse erzielen, als unbegleitete Heimübungsprogramme oder reine Aufklärungsworkshops. Eine Kontaktzeit von mindestens 12 Behandlungseinheiten war nötig, um diese messbaren Effekte zu erzielen.
Alle Ergebnisse der Studie können Sie selbst unter folgendem Link noch einmal nachlesen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4077018/

In der nächsten Woche fassen wir die Ergebnisse unseres Themenmonats für Sie noch einmal zusammen und geben Ihnen außerdem Tipps für einen evidenzbasierten Behandlungsablauf bei Gonarthrose Patienten.