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29.09.2005 – Bundesverband

Beckenboden nicht trainieren, sondern eher entspannen

Positive Wirkung von gezieltem Beckenbodentraining in der Schwangerschaft
Um dem zukünftigen Erdenbürger den vaginalen Geburtsweg zu erleichtern, sollen Schwangere als Geburtsvorbereitung ihren Beckenboden nicht trainieren, sondern eher entspannen. Ein kraftvoller Beckenboden, so ist die Meinung, wirke geburtsverzögernd. Dem Wahrheitsgehalt dieser These ging die norwegische Forschergruppe um Kjell A Salvesen und Siv Morkved in ihrer Studie nach. Sie untersuchten 301 Erstgebärende, unterteilt in eine Trainingsgruppe (148) und eine Kontrollgruppe (153). An einem strukturierten Beckenbodenübungsprogramm von 60 Minuten, angeleitet von einer Physiotherapeutin, nahmen einmal wöchentlich über einen Zeitraum von 12 Wochen (zwischen der 20. und 36 Schwangerschaftswoche) die Schwangeren teil. Zusätzlich sollten die Schwangeren zweimal am Tag intensiv ihren Beckenboden mehrmals anspannen. Während der nachfolgenden Geburt wurde sowohl die Dauer der Eröffnungsphase als auch Austreibungsphase in Minuten gemessen. Die zweite Geburtsphase gilt ab 60 Minuten Dauer als verlängert. Die Ergebnisse der Studie unterstützen die Vorteile eines gezielten Krafttrainings in der Schwangerschaft. In der Trainingsgruppe war der Anteil der Geburten mit einer verlängerten Austreibungsphase (> 60 Minuten) niedriger als in der Kontrollgruppe. Eine normale zweite Geburtsphase (<60 Minuten) verkürzte das Training nur unwesentlich (40 Minuten vs. 45 Minuten). Interessanterweise war die Dammschnittrate bei den trainierten Frauen etwas geringer als bei der untrainierten Gruppe. Die operative Geburtsbeendigung durch Saugglocke oder Zange war in beiden Gruppen gleich hoch. Eine verbesserte Muskelkontrolle und eine gekräftigte Beckenbodenmuskulatur in der Schwangerschaft scheinen, nach Meinung der Forscherinnen, die Grundlage für diese Ergebnisse zu sein. Neben einer geburtsverkürzenden Wirkung verhindert das regelmäßige Beckenbodentraining eine peripartale Inkontinenz (Morkved et al. 2003) und sollte zukünftig fester Bestandteil in jeder Schwangerschaft sein. Ulla Henscher Leiterin der AG GGUP im ZVK BMJ 2004;329:378-80