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19.08.2005 – Bundesverband

Ein-Euro-Jobs und andere Aushilfsarbeiten belasten Psyche stärker als Arbeitslosigkeit

Ob man wirklich jedem jede Arbeit zumuten muss, ist eine Frage des Umgangs der Gesellschaft mit ihrem Potenzial
Arbeitslosigkeit macht krank – Billig Jobs auch. Ein-Euro-Jobs und andere Aushilfsarbeiten rauben Arbeitslosen aus Expertensicht mehr Selbstbewusstsein als sie geben, so die Arbeitspsychologin Gisela Mohr von der Universität Leipzig. „Die psychische Gesundheit der Betroffenen in unsicheren, schlecht bezahlten und unterqualifizierten Arbeiten wird stärker belastet als in Zeiten ohne Job.“ Immer wieder erhofften sich Arbeitslose Erfolg und erlebten meist doch nur Abstürze. Internationale Studien belegten die Zunahme seelischer Leiden bei Arbeitslosen nach Misserfolgen. Gleiches gelte bereits für Qualifizierungsmaßnahmen. „Es werden endlos viele von Trainern begleitete Bewerbungen verfasst, doch im Umgang mit den oft ebenso vielen Absagen sind die Arbeitslosen wieder allein“, sagte die Professorin für Arbeitspsychologie. Das Fallmanagement sei ein richtiger Weg. „Wenige, auf den Menschen zugeschnittene Qualifizierungen und Jobangebote mit echten Erfolgschancen würden der psychischen Gesundheit sehr helfen“, sagte Mohr. Ob man wirklich jedem jede Arbeit zumuten müsse, sei eine Frage des Umgangs der Gesellschaft mit ihrem Potenzial. Auch Erwerbslosen müsse ein Kalkulieren des Aufwandes zum Nutzen bei einem Jobangebot zugestanden werden. Mehrere Untersuchungen belegten, dass Alkoholprobleme, Depressionen und selbst körperliche Leiden durch häufige Rückschläge verstärkt würden. „Die hinzu gewonnene freie Zeit ermöglicht dagegen eine gewisse körperliche Erholung“, sagte Mohr. Es brauche aber mehr Verständnis und Akzeptanz für Arbeitslose. Durch gesellschaftliche Geringschätzung und Abwertung ihrer Situation laste ein enormer psychischer Druck auf Erwerbslosen. „Selbst Arbeitslose untereinander pflegen die Vorwürfe des Selbst-Schuld-Seins und meinen, der andere sei faul und nutze die sozialen Sicherungen des Staates nur aus.“ /dpa