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02.04.2026 – Bundesverband

Finanzkommission legt Bericht vor: Einsparvorschläge treffen auch den Heilmittelbereich

Die vom Bundesministerium für Gesundheit eingesetzte Finanzkommission hat am 30. März 2026 ihren ersten Bericht vorgelegt. Auf rund 450 Seiten enthält das Papier insgesamt 66 Einsparvorschläge für das GKV‑System – darunter auch konkrete Maßnahmen, die den Heilmittelbereich und damit die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten betreffen. Hier die erste Einschätzung von Physio Deutschland dazu.

Was für den Heilmittelbereich vorgeschlagen ist

Für das Jahr 2027 wird ein „Einfrieren“ der aktuellen Vergütungen vorgeschlagen. Ein einjähriges Preismoratorium sei laut Finanzkommission ein gezieltes Instrument, um kurzfristig die Ausgabenanstiege zu begrenzen. Außerdem sollen zukünftige Erhöhungen von Geldwerten auf prozentuale Anpassungen umgestellt werden.

Ab 2028 sollen dann jährliche Vergütungsanpassungen wieder an die Grundlohnsumme gemäß § 71 Absatz 3 SGB V gekoppelt werden. Zusätzlich schlägt die Finanzkommission für die Jahre 2028 und 2029 (wie in anderen Leistungsbereichen) jeweils ein Abschlag von einem Prozentpunkt auf die Grundlohnrate angewendet werden.

Auch im Bereich der Blankoverordnung sieht die Finanzkommission Kürzungen vor. Konkret sieht der Vorschlag der Kommission die Abschaffung der versorgungsbezogenen Pauschalen je Blankoverordnung in der Physiotherapie sowie auch die Abschaffung der Pauschale für Bedarfsdiagnostik vor.

Die Finanzkommission begründet ihre Vorschläge mit der Entwicklung den Vergütungserhöhungen der letzten zehn Jahre. Dabei waren gerade die Aufhebung der Bindung an die Grundlohnsumme sowie die bundeseinheitliche Preisangleichung zwingend erforderliche Schritte, um die über viele Jahre entstandene Unterfinanzierung auszugleichen und eine wirtschaftliche Praxisführung überhaupt auf den Weg zu bringen.

„Die Vorschläge der Finanzkommission sind aus meiner Sicht ein Schlag ins Gesicht aller Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, die in den Praxen die physiotherapeutische Versorgung der Menschen aufrechterhalten“, betont Markus Norys, Praxisinhaber und stellvertretender Vorsitzender von Physio Deutschland.

„Im Jahr 2014 haben wir mit Physio Deutschland und der bundesweiten Kampagne ‚38,7 % mehr wert‘ erstmals auf die Schere zwischen ambulantem Sektor und den Gehältern im stationären Bereich nach TvÖD öffentlich aufmerksam gemacht. Mehr als 180.000 Unterstützerstimmen haben seiner Zeit die Politik zum Handeln veranlasst. „Doch die Lücke ist bis heute nicht geschlossen – und nun liegen Vorschläge auf dem Tisch, die diese Situation erneut deutlich verschlechtern würden“, erklärt Markus Norys.

Die möglichen Folgen liegen auf der Hand: Junge Menschen entscheiden sich für Berufe mit besseren Perspektiven, erfahrene Fachkräfte wandern ab – und beides gefährdet langfristig die physiotherapeutische Versorgung der Patient*innen.

Wie es nun weitergeht

Ziel der Bundesregierung ist es, dass bis Ende Juni ein Gesetzentwurf entsteht, der noch vor der Sommerpause im Bundeskabinett verabschiedet werden soll.

Gemeinsam mit den anderen maßgeblichen Verbänden im Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) arbeiten wir die Ergebnisse der Finanzkommission auf und bereiten nächste Schritte dazu vor. Grundlage für alle weiteren Überlegungen sind die Begründungen zu den Einsparvorschlägen sowie weitere Punkte im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Berufsangehörigen und die Patient*innenversorgung.

Physio Deutschland berät auf der Bundesdelegiertenkonferenz

Mitte April tagt die Bundesdelegiertenkonferenz von Physio Deutschland – dort wird die anstehende Reform und deren mögliche Auswirkungen auf die Physiotherapie im ambulanten Sektor ein Schwerpunktthema sein. Dabei wird im Mittelpunkt stehen, welche Auswirkungen die Vorschläge auf den Berufsalltag der Mitglieder von Physio Deutschland und damit auch die Versorgung der Patient*innen haben könnten.

„Wir werden alles daransetzen, dass sich die Situation der Praxen nicht verschlechtert und die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht von der Politik zunichte gemacht werden“, untermauert Markus Norys den Handlungswillen von Physio Deutschland.

Die Bundesdelegiertenkonferenz von Physio Deutschland wird als höchstes Beschlussgremium des Verbandes die nächsten politischen Maßnahmen beraten und beschließen.

Die Finanzkommission hat angekündigt, dass sie bis Ende 2026 einen zweiten Bericht vorlegen wird, der mittel- und langfristig wirksame Strukturreformen beinhalten wird.

Wir informieren euch, sobald es neue Entwicklungen gibt.