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05.09.2007 – Bundesverband

Gefährliche Umweltgifte im Kinderblut

Studie warnt vor Pestiziden, Plastik und Schimmel

DDT ist ein heimtückisches Insektengift. Denn es beseitigt nicht nur Schädlinge auf dem Acker oder im Wald, sondern schädigt auch Tiere wie Wildvögel, Robben oder Kleinsäuger. Die Tiere können sich nach der Aufnahme des Gifts über die Nahrung nur noch schlecht fortpflanzen. Auch für die menschliche Gesundheit ist DDT eine Gefahr. Hohe Dosen können zu Schwindel, Krämpfen und Lähmungen führen. Dem Gift wird auch nachgesagt, Krebs zu begünstigen und Fehlgeburten zu verursachen. Aus diesen Gründen wurde DDT in der Bundesrepublik 1972 verboten. Heute wird es nur noch in wenigen Entwicklungsländern zur Malariabekämpfung eingesetzt.

Doch auch 35 Jahre nach dem Ende des Einsatzes in der hiesigen Land- oder Forstwirtschaft sind in Deutschland viele Kinder noch immer mit DDT belastet. Und das, obwohl sie alle nach dem Verbot geboren wurden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Umweltbundesamtes über die Schadstoffbelastung von Kindern, die gestern vorgestellt wurde. Dabei wurde unter anderem das Blut und der Urin von knapp 1 800 Kindern zwischen drei und vierzehn Jahren untersucht.

Behördenchef Andrea Troge erklärte, noch heute würden viele Kinder DDT über die Muttermilch aufnehmen. Allerdings sei die Belastung in den letzten Jahren geringer geworden und stelle in den meisten Fällen keine akute Gefahr mehr da. "Dennoch zeigt der Fall, wie wichtig eine langfristige Umweltpolitik ist", betonte Troge. Umweltbundesminister Sigmar Gabriel (SPD) betonte, Umweltschutz sei vorbeugender Gesundheitsschutz.

Als besorgniserregend bezeichneten beide die derzeitige Belastung von Kindern mit Weichmachern aus Plastikprodukten. Die gefährlichen Stoffe fanden sich im Urin aller untersuchten Kinder. Bei bis zu einem Drittel von ihnen war die Grenze der Unbedenklichkeit überschritten. Die Kleinen nehmen die Weichmacher meist über fettreiche Nahrung auf, die in Plastikmaterialien verpackt war. Die Substanzen, die bis vor kurzem auch in Kinderspielzeug vorkamen und dort mittlerweile verboten wurden, können die Fortpflanzung beeinträchtigen.

Problematisch ist laut Studie auch die Belastung durch Tabakrauch, Lärm und Schimmelpilze. So ist jedes zweite Kind zu Hause Zigarettenqualm ausgesetzt. Die Höhe der Belastung hat sich in den letzten zehn Jahren nicht verringert. In Ostdeutschland ist sie sogar gestiegen. Laut Studie führt das Passivrauchen von Kindern zu allgemein höheren Infektionsraten und vermehrten Mittelohr-Entzündungen. Langfristig steigt das Krebsrisiko.

Beim Lärm zeigt sich, dass schon 14 Prozent aller Kinder in jungen Jahren Hörschäden aufweisen. Den Hauptgrund sieht das Umweltamt in lauter Musik über Kopfhörer, in Konzerten oder Diskotheken. Bereits ein Diskobesuch pro Woche über einen längeren Zeitraum könne zu nicht mehr zu heilenden Hörverlusten führen, warnte die Behörde. Darüber hinaus haben rund acht Prozent aller Kinder Allergien gegen Innenraum-Schimmelpilze entwickelt. Diese entstehen, wenn Wohnungen zu feucht sind und zu wenig gelüftet werden.

Berliner Zeitung, 29.08.2007