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12.03.2005 – Bundesverband

Krankengymnastik mit Schmerztherapie

Deutscher Schmerztag: Scharfe Kritik an den neuen Leistungsverzeichnissen.
Bei Schmerzen im Bewegungssystem muss nach Meinung von Experten die Krankengymnastik mit einer wirkungsvollen Schmerztherapie verbunden werden. Nur so lasse sich der Teufelskreis aus Schmerz und Bewegungsmangel durchbrechen, erklärten Mediziner anlässlich des Deutschen Schmerztages in Frankfurt am Main. Wenn Schmerzen verhinderten, dass Patienten ihre Übungen machten, seien alle Bemühungen vergeblich. In Deutschland leiden nach Schätzungen der Experten etwa zwölf Millionen Menschen unter Bewegungsschmerzen. Ursachen können entzündliche und degenerative Erkrankungen sein, funktionelle Störungen oder auch psychischen Ursachen. \"Entsprechend vielfältig müssen der diagnostische Zugang und das therapeutische Spektrum sein“, sagte Tagungspräsident Gerhard Müller-Schwefe. Eine alleinige Therapiemethode oder gar Wunderpille gegen jeden Schmerz gebe es nicht. Die Behandlung chronischer Schmerzen ruhe grundsätzlich auf vier Säulen, hieß es. Mit frühzeitiger Behandlung würden Lernprozesse vermieden, die zur Bildung eines so genannten Schmerzgedächtnisses führten: Dieses bewirke, dass das Nervensystem selbst bei leichten Reizen mit heftigen Schmerzen reagiere. Dazu komme die Stärkung der körpereigenen Schmerzkontrolle durch Medikamente und psychologisch-verhaltensmedizinische Methoden, eine Bewegungstherapie zur Verbesserung gestörter Körperfunktionen und das Durchbrechen der sozialen Isolation, wie sie bei Schmerzpatienten oft vorkomme. Die Experten übten scharfe Kritik an den neuen Leistungsverzeichnissen für gesetzlich Versicherte. Wenn nichts geschehe, werde es ab April für Millionen von Menschen mit chronischen Schmerzen keine Therapie mehr geben, hieß es. Diagnose- und Therapieverfahren, die Schmerzpatienten benötigten, seien in den Leistungsverzeichnissen nicht enthalten. Auch seien zahlreiche ärztliche Leistungen gebündelt und gleichzeitig die Vergütung dafür gesenkt worden. \"Die Kassen fordern zwar eine Versorgung auf höchstem Niveau, sind aber nicht bereit, diese zu finanzieren\", sagte Müller-Schwefe. Schon heute fehlten spezialisierte Einrichtungen für Menschen mit chronischen Schmerzen. Auch in den neuen Gebührenregelungen für die Palliativmedizin sehen die Mediziner Anlass zur Kritik. Nach den neuen Leistungsverzeichnissen könnten nur Hausärzte eine palliativmedizinische Versorgung von Patienten mit schweren Erkrankungen mit den Kassen abrechnen. Sie müssten jedoch weder eine palliativmedizinische Qualifikation nachweisen, noch werde eine entsprechende Dokumentation eingefordert. Der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, Thomas Nolte sagte, dies zeige, dass es nicht mehr um die Verbesserung der medizinischen Versorgung am Lebensende gehe, sondern um \"das sinnentleerte Abhaken einer Leistung ohne inhaltliche und qualitätsgestützte Vorgaben\". (AP)