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14.07.2026 – Regionalverband Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland

Marc Akel: „Die Auswirkungen auf die Physiotherapie werden erheblich sein“

Am 10. Juli 2026 haben zunächst der Deutsche Bundestag und anschließend der Bundesrat das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz verabschiedet. Damit ist der Weg für das Inkrafttreten des Spargesetzes frei. Im Gespräch erläutert Marc Akel, Vorsitzender von Physio Deutschland, welche Auswirkungen das Gesetz auf die Physiotherapie haben wird und welche nächsten Schritte der Verband plant.

Hallo Marc, was war Dein erster Gedanke, als das Spargesetz am vergangenen Freitag die letzten parlamentarischen Hürden genommen hatte?

Irgendwie wirkte die Entwicklung in den vergangenen Wochen fast surreal. Wir haben zahlreiche Gespräche mit politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern geführt und unsere Argumente gegen die Einschnitte im Bereich der Physiotherapie deutlich gemacht. Noch am Donnerstag haben wir Abgeordnete direkt angeschrieben und eindringlich darum gebeten, dem Gesetz nicht zuzustimmen.

Die zahlreichen Änderungen am Gesetzentwurf zeigen, wie viel Bewegung in diesem Gesetzgebungsverfahren steckte. Leider galt das nicht für die geplanten Einschnitte in der Physiotherapie. Trotz unserer Bemühungen sind diese Bestandteile unverändert geblieben.

Welche Auswirkungen wird das Gesetz konkret auf die Physiotherapie haben?

Die Auswirkungen werden alle Bereiche der Physiotherapie betreffen: ambulante Praxen, stationäre Einrichtungen sowie Patientinnen und Patienten. Insbesondere die finanzielle Belastung wird deutlich steigen. Die Folgen des Gesetzes sind absehbar: Notwendige Vergütungsanpassungen werden erschwert, während steigende Kosten für Personal, Energie und Mieten nicht ausreichend berücksichtigt werden könnten. Dadurch wächst der wirtschaftliche Druck auf die Physiotherapiepraxen weiter.

Das steht in deutlichem Widerspruch zu den Zielen des Koalitionsvertrags, der Gesundheitsberufe stärken und dem Fachkräftemangel entgegenwirken möchte. Wir werden die Auswirkungen gemeinsam mit unseren Mitgliedern und den Kolleginnen und Kollegen vor Ort genau beobachten, analysieren und öffentlich sichtbar machen.

Welche konkreten Einschnitte sind im Gesetz verankert?

Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes werden Vergütungsanpassungen in der Physiotherapie wieder an die Grundlohnsumme gekoppelt. Zusätzlich sieht das Gesetz für die Jahre 2027, 2028 und 2029 einen Abschlag von einem Prozentpunkt vor. Allein diese Regelung wird erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Physiotherapiepraxen haben.

Künftige Vergütungsverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband werden sich damit nicht mehr primär an den tatsächlichen Kostenentwicklungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen orientieren, sondern auch an einem politisch vorgegebenen Ausgabendeckel.

Darüber hinaus hat der Gesetzgeber beschlossen, die Verwaltungspauschale bei der Blankoverordnung abzuschaffen. Dies gilt ab Inkrafttreten des Gesetzes mit Veröffentlichung des Gesetzes im Bundesanzeiger für alle neu ausgestellten Blankoveordnungen. Das mag auf den ersten Blick wie ein kleiner Aspekt erscheinen, ist jedoch von grundsätzlicher Bedeutung. Die Pauschale wurde eingeführt, um den zusätzlichen Verwaltungsaufwand in den Praxen auszugleichen. Dieser Aufwand bleibt bestehen – die finanzielle Kompensation dafür entfällt jedoch künftig. Darüber werden wir unsere Mitglieder nochmals gesondert informieren.

Besonders gravierend ist auch die Anhebung der Zuzahlung für Patientinnen und Patienten von zehn auf 15 Euro je Verordnung. Bei rund 31,5 Millionen Verordnungen pro Jahr bedeutet das zusätzliche Belastungen von knapp 160 Millionen Euro für die Versicherten.

Bereits heute ist der bürokratische und zeitliche Aufwand für den Einzug der Zuzahlungen in den Praxen erheblich. Durch die Erhöhung wird dieser Aufwand eher wachsen als sinken. Ob und in welchem Umfang Patientinnen und Patienten aufgrund der höheren Kosten künftig auf notwendige physiotherapeutische Leistungen verzichten, bleibt abzuwarten.

Wie geht es in den kommenden Wochen weiter?

Wir werden die politische Sommerpause intensiv nutzen, um uns auf den gesundheitspolitischen Herbst vorzubereiten. Ein weiterer Bericht der FinanzKommission Gesundheit ist bereits angekündigt, und zusätzliche Reformvorhaben sind wahrscheinlich.

Deshalb bereiten wir uns gezielt darauf vor, das Potenzial der Physiotherapie für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem frühzeitig in den politischen Diskurs und in die zuständigen Ministerien einzubringen.

Was ist für die Kolleginnen und Kollegen in den nächsten Wochen und Monaten besonders wichtig?

Wir werden die Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen der physiotherapeutischen Versorgung aktiv einbeziehen, um die Auswirkungen des Spargesetzes auf die Versorgung sowie auf die Berufsangehörigen sichtbar zu machen. Als Verband werden wir dabei informieren, unterstützen und begleiten.

Die vergangenen drei Monate haben deutlicher denn je gezeigt, wie wichtig eine starke berufspolitische Organisation ist. Deshalb werden wir neue Akzente setzen, um noch mehr Kolleginnen und Kollegen zu erreichen und die Schlagkraft von Physio Deutschland als mitgliederstärkster berufspolitischer Interessenvertretung der Physiotherapie in Deutschland weiter auszubauen.

Starke Argumente, öffentliche Sichtbarkeit und politische Handlungsfähigkeit sind entscheidende Voraussetzungen, um unseren Beruf attraktiver zu machen und die physiotherapeutische Versorgung langfristig zu sichern. Dafür setzen wir uns als Physio Deutschland gemeinsam mit unseren Partnern mit voller Kraft ein.