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02.04.2026 – Bundesverband

Symposium Pädiatrie 2026: Fachveranstaltung überzeugt mit aktuellem Wissen, Praxisnähe und starkem Familienfokus

Rund 100 Physiotherapeut*innen und Therapeut*innen mit pädiatrischen Arbeitsschwerpunkt nahmen im März am Symposium Pädiatrie 2026 in Erfurt teil. Fachvorträge, praxisnahe Workshops und ein reger interdisziplinärer Austausch boten wertvolle Impulse für eine zeitgemäße, evidenzbasierte und familienorientierte Versorgung in der Kinder- und Jugendphysiotherapie.

Breites Programm von familienzentrierter Physiotherapie bis „Still Face“: Die Highlights des Symposiums im Überblick

Mit rund 100 teilnehmenden Physiotherapeut*innen aus Praxis, Ausbildung und Wissenschaft fand am 21. März 2026 das Symposium Pädiatrie an der Fachhochschule Erfurt statt. Unter dem Leitthema „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ bot die Fachkommission Physiotherapie – Kinder- und Jugendmedizin von Physio Deutschland ein abwechslungsreiches Programm mit evidenzbasierten Fachvorträgen am Vormittag, fünf praxisnahen Workshops am Nachmittag sowie einem abschließenden Impuls zur Bedeutung früher Medienerfahrungen. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen durchweg positiv aus – sowohl hinsichtlich der fachlichen Tiefe als auch des kollegialen Austauschs. Der Vormittag startete mit vier Fachvorträgen, die die zentralen Herausforderungen und Entwicklungen in der pädiatrischen Physiotherapie beleuchteten. Prof. Dr. Gisela Hanne‑Behnke aus Berlin stellte in ihrem Beitrag die Grundprinzipien einer konsequent familienzentrierten Physiotherapie vor und betonte die Bedeutung einer kooperativen Zusammenarbeit zwischen Therapeut*innen und Familien. Im Anschluss zeigte Prof. Dr. Michael Jung (Darmstadt), wie evidenzbasierte Entscheidungsprozesse im Spannungsfeld zwischen robotikgestützten High-End-Verfahren und klassischen Hands-on-Therapien gestaltet werden können. Sein Fazit: Konventionelle physiotherapeutische Ansätze behalten einen hohen Stellenwert, solange sie nachweislich alltagsrelevante Aktivität und Teilhabe verbessern. Mit einem besonderen Fokus auf frühgeborene Kinder erläuterte Anna Seemann (BcPT, Hamburg), wie entwicklungsfördernde Positionierungen und alltagsintegrierte Elternanleitungen dazu beitragen können, die motorische und sensomotorische Entwicklung im häuslichen Umfeld optimal zu unterstützen. Den Abschluss des Vortragsblocks bildete Dr. Sabine Nantke (Neuruppin), die einfühlsam die physiotherapeutische Begleitung traumatisierter Säuglinge und ihrer Eltern beleuchtete. Sie hob hervor, wie bedeutsam sichere Interaktionen, wiederholte positive Stimulation und elterliche Feinfühligkeit für die kindliche Entwicklung nach belastenden Geburtserlebnissen sind.

   

Praxisorientierte Workshops zur Vertiefung

Nach dem erkenntnisreichen Vormittag folgte am Nachmittag ein intensives und vielfältiges Workshop-Programm, das die Inhalte des Vormittags praxisorientiert vertiefte. Zur Auswahl standen mehrere Workshops: „Assessments – auch in der Praxis zu schaffen“ mit Katharina von Bistram (BcPT, Hamburg), „Wenn die Blase nicht mitspielt: Familienorientierte Wege zu mehr Selbstwirksamkeit“ mit Sevinc Türker (PT, Nürnberg), „Sexualisierte Gewalt erkennen und umsichtig handeln“ mit Birthe Roden (Traumapädagogin, Kinderschutzfachkraft, Hamburg), „Implementierung der Reflexlokomotion im Wandel der Familienkonzepte“ mit Iris von der Lippe (PT, Bochum) und „Teilhabeorientierte Physiotherapie mit ICF – Wie gelingt es in der Praxis und welcher Mehrwert könnte entstehen?“ mit Dr. Heike Phillippi (Frankfurt). Alle Workshops boten konkrete Handlungsempfehlungen und viel Raum für Austausch, Diskussionen und fallbezogenes Arbeiten. Die Teilnehmenden lobten besonders den unmittelbaren Praxisbezug und die Möglichkeiten, neue Perspektiven und Tools direkt für den eigenen Berufsalltag mitzunehmen. Abgerundet wurde das Symposium durch einen Abschlussimpuls von Frauke Mecher von Physio Deutschland unter dem Motto „Still Face – Erster Kontakt mit Handy, Tablet & Co.“. Damit thematisierte die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Vojta von Physio Deutschland anschaulich, wie digitale Ablenkung bereits in den ersten Lebensmonaten die Feinabstimmung zwischen Eltern und Kind beeinflussen kann. Ihr Appell: „Für die gesunde Entwicklung brauchen Kinder zunächst echte Begegnung – Blickkontakt, Stimme, Nähe. Therapeut*innen können Familien gezielt dafür sensibilisieren, wie wichtig diese frühen Interaktionen sind.“

   

Buchverlosung und fachliche Impulse zum Mitnehmen

Ein zusätzlicher Mehrwert für die Teilnehmenden war die begleitende Fachbuchverlosung, die auf großes Interesse stieß. Verlost wurden mehrere aktuelle und praxisrelevante Titel aus der pädiatrischen Physiotherapie: Fallbuch Physiotherapie: Pädiatrie, Leitfaden Physiotherapie in der Pädiatrie – Babys in Bewegung,Physiotherapie evidenzbasiert, FAQ-Physiotherapie, Elternarbeit bei Kindern mit ADHS und Entwicklungsstörungen: Eltern als kompetente Therapiepartner und ICF‑Praxislehrbuch – Neue Standards in der Versorgung chronisch kranker Kinder: Chronisch krank und gefühlt gesund. Darüber hinaus wurde auch der Titel „Der Rücken‑Doc – Skoliose“ verlost, der das Thema Wirbelsäulengesundheit bei Kindern und Jugendlichen praxisnah aufgreift. Die Verlosung unterstrich den Anspruch des Symposiums, aktuelles Wissen nicht nur zu vermitteln, sondern den Teilnehmenden auch nachhaltige fachliche Ressourcen für die tägliche Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien an die Hand zu geben. Die organisatorische Umsetzung des Symposiums lag in den Händen eines engagierten Teams um Dr. Heike Reichelt, das sich um Räume und Technik kümmerte.

Die Teilnehmenden zeigten sich hochzufrieden mit dem Symposium. Besonders hervorgehoben wurden der praxisnahe Aufbau, die intensiven Diskussionen und der Austausch „über den Tellerrand hinaus“. Das Symposium Pädiatrie 2026 bot somit einen umfassenden Überblick über aktuelle Themen und Herausforderungen der Kinder- und Jugendphysiotherapie. Gleichzeitig stärkte es das berufliche Netzwerk und den fachlichen Dialog – ganz im Sinne eines „Dorfes“, in dem die Entwicklung von Kindern gemeinsam getragen und gefördert wird.