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Heidelberger Gefäßchirurgen implantierten 200. Gefäßendoprothese bei einer nächtlichen Notoperation im Universitätsklinikum Heidelberg / 31-Jährige Patientin aus dem Odenwald nach Einriss der Aorta wieder wohlauf

Es begann am Abend mit Rückenschmerzen und stellte sich als ein Riss in der Hauptschlagader heraus. Die rechtzeitige und korrekte Diagnose war die Rettung für die Patientin aus dem Odenwald-Kreis: Nur sechs Stunden nach Auftreten der ersten Beschwerden setzten ihr die Experten am Universitätsklinikum Heidelberg im März 2008 über einen kleinen Zugang zur Leistenarterie eine Gefäßprothese in die Brustaorta ein und schlossen damit den gefährlichen Riss in der Gefäßwand. Die 31-Jährige ist damit der 200. Patient, der im Gefäßzentrum Heidelberg mittels Katheter eine solche Gefäßstütze implantiert bekam.

Reißt die innerste von drei Wandschichten der Aorta, sprechen Mediziner von einer Aortendissektion: Das Blut wird durch den Druck des Herzschlags zwischen die Wandschichten gepresst und fließt hier zunächst entlang der Hauptschlagader weiter. Fließt viel Blut in diesen "Parallelkanal" ab, werden die Organe nicht mehr ausreichend versorgt. Zudem ist die Gefahr hoch, dass auch die dünne äußere Wandschicht platzt, was die Betroffenen in den meisten Fällen nicht überleben. Mehr als 3.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an den Folgen einer solchen Aortendissektion. Am häufigsten sind 50- bis 70-Jährige betroffen.

Schmerzen in Brust oder Rücken sind die einzigen Anzeichen

"Die Symptome - falls vorhanden - sind nicht eindeutig", erklärt Professor Dr. Dittmar Böckler, Kommissarischer Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie der Universität Heidelberg. In der Regel setzt plötzlich ein heftiger Schmerz in Brust oder Rücken ein. "Gerade bei gesunden, jungen Leuten, wie der Patientin Tanja Blümel, denkt man bei solchen Beschwerden nicht an einen Aortenriss und sucht zunächst nach anderen Ursachen, wie Bandscheibenproblemen oder Herzinfarkt. Das kann fatal sein."

Am Abend des 12. März 2008 litt Tanja Blümel unter starken Rückenschmerzen auf Brusthöhe und rief den Notarzt. Im Kreiskrankenhaus Erbach vermutete man zunächst einen Bandscheibenvorfall und untersuchte die junge Frau mittels Computertomographie. Hier zeigten sich Probleme mit der Hauptschlagader - Frau Blümel sollte sofort mit dem Hubschrauber in das Heidelberger Gefäßzentrum überführt werden. Doch der Hubschrauber war zu weit entfernt: Der Notarzt beschloss, Frau Blümel selbst zu fahren.

Dank modernster Technik im Gefäßzentrum Heidelberg schnelle Diagnostik
möglich

Dank dieser Entscheidung konnte die 31-Jährige bereits eine halbe Stunde später von den Experten des Heidelberger Gefäßzentrums weiter untersucht werden: "Wir verfügen hier über hochmoderne Diagnosegeräte und sind auf solche Notfälle vorbereitet", erklärt Professor Böckler. "Der neue 64-Zeiler-Computertomograph der Klinik für Radiodiagnostik (Direktor: Prof. Dr. H.U. Kauczor) ist rund um die Uhr einsatzbereit und liefert innerhalb von Sekunden hochauflösende Bilder." Die Untersuchung zeigte: Darm, Leber und Nieren der Patientin wurden nicht mehr durchblutet, es musste sofort operiert werden.

"Sind die Organe von der Blutversorgung abgeschnitten, so treten nach wenigen Stunden irreparable Schäden auf. Gerade beim Dünndarm ist das in der Regel tödlich", so der Gefäßchirurg. Gerade noch rechtzeitig setzten Professor Böckler und sein Team der Patientin in einer Notoperation um 1 Uhr nachts eine Stentprothese ein und verschlossen den Riss. Die Organe wurden wieder durchblutet. "Der Eingriff selbst dauert maximal eine Stunde und ist relativ risikoarm./idw