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08.04.2008 – Bundesverband

Schwester Agnes kann nach Hause gehen - Möglich wird die Delegation von Hausbesuchen an Mitarbeiter nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe

Arzthelferinnen sollen ihre Chefs künftig stärker entlasten / Verbandschefin Rothe gegen Parallelstrukturen

Die Vertragsärzte können die ambulante medizinische Versorgung nach Ansicht von KBV-Chef Dr. Andreas Köhler in immer mehr Regionen nicht mehr allein sicherstellen. Diese Lücken sollen künftig medizinische Fachangestellte (MFA) schließen - und damit gleichzeitig das "Gemeindeschwestermodell Agnes" ausstechen.

Medizinische Fachangestellte seien "das natürliche Bindeglied zwischen Arzt, Patient und anderen an der Behandlung Beteiligten", warb Köhler gestern in Berlin um eine stärkere Rolle der MFA. In Öffentlichkeit und Politik werde die Leistung der Fachangestellten bisher zu wenig anerkannt, kritisierte er.

Nach den Vorstellungen Köhlers sollen speziell geschulte Praxismitarbeiterinnen künftig Patienten zu Hause aufsuchen, um Routinetätigkeiten zu erledigen. Ein weiteres Aufgabengebiet sieht Köhler im Assessment der Alltagskompetenz von Patienten oder im Training von Verhaltensweisen und Techniken, die das Leben mit der Krankheit erleichtern. Für die stärkere Einbindung der Arzthelferinnen will Köhler den Katalog delegierbarer Leistungen aus dem Jahr 1978 überarbeiten.

Möglich wird die Delegation von Hausbesuchen an Mitarbeiter nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe durch eine mit der jüngst vom Bundestag verabschiedeten Pflegereform geschaffene Novelle des SGB V (wir berichteten). Bis zum Herbst muss der Bewertungsausschuss von Kassen und KBV Einigung über entsprechende Abrechnungsziffern erzielen. Dabei will Köhler darauf drängen, dass es sich bei der Delegation um zusätzliche Leistungen handelt - und damit auch mehr Geld in die Kassen der KVen fließt. Allerdings erwartet er Widerstand seitens der Kassen in diesem Punkt. "Das werden wir konfliktiv verhandeln müssen", sagte er.

Die Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe, Sabine Rothe, sprach sich gegen Parallelstrukturen in der ambulanten Versorgung, etwa durch Gemeindeschwestern oder Familiengesundheitspfleger aus. Neue Strukturen führten zu Informationsverlusten. Eine Substitution ärztlicher Leistungen an die Pflege lehnte sie ab.

Arztentlastende Tätigkeiten von MFA sieht Rothe indes nicht nur in der Übernahme von Hausbesuchen, sondern auch in der Praxis selbst. Als Beispiel nannte sie Chronikersprechstunden oder die Hilfe bei der Untersuchung multimorbider Patienten.

KBV-Chef Köhler appellierte unterdessen an die Ärzte, den mit dem neuen Gehaltstarifvertrag mit diesem Monat vorgesehenen zusätzlichen Beitrag von monatlich 20 Euro für die Altersversorgung der Mitarbeiterinnen auszuzahlen.

Quelle: Ärzte Zeitung vom 08.04.2008