10.05.2005
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Bundesverband
Tickende Zeitbombe: Zahl der Demenzkranken wird sich verdoppeln / Viele Patienten werden unzureichend oder gar nicht behandelt
Das Bundesgesundheitsministerium fördert innovative Modellprojekte.
Die Zahl der Demenzkranken wird sich in den kommenden 25 Jahren von derzeit mehr als einer Million Menschen noch verdoppeln, so die Einschätzung der Experten. Der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte, Frank Bergmann, sprach am Samstag beim 3. Neurologen- und Psychiatertag in Köln von einer \"tickenden Zeitbombe“.
Besonders wichtig sei es, die Früherkennung von Demenzerkrankungen weiterzuentwickeln sowie die Angehörigen als Hauptlasttragende bei Pflege und Betreuung zu schulen. Die häufigste Demenzerkrankung ist die Alzheimer-Krankheit, an der etwa 70 Prozent der Demenzpatienten leiden.
Derzeit gebe es 700 000 Alzheimer-Patienten in Deutschland und jedes Jahr kommen dem Nervenärzte-Berufsverband zufolge 200 000 weitere Erkrankungen hinzu. Viele Patienten würden aber \"nur unzureichend oder gar nicht behandelt“, kritisierte Bergmann bei der Tagung mit 150 Fachärzten. \"Je früher eine Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert wird, um so besser und effektiver können wir die Patienten helfen“, erklärt Dr. Bergmann.
Nur 13 Prozent der Alzheimer-Patienten, die gesetzlich krankenversichert sind, werden bei den Medikamenten nach dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung behandelt, sagte der Verbandsvorsitzende unter Berufung auf eine aktuelle Studie. Rund 500 000 Alzheimer-Patienten würden medizinisch nicht ausreichend versorgt. Frühe Anzeichen der Krankheit würden von Angehörigen wie Ärzten oft als normale Alterserscheinungen heruntergespielt. \".
Hinzu kommt, dass viele Ärzte noch nicht genügend über die Behandlungsmöglichkeiten bei einer Alzheimer-Erkrankung informiert sind. Dabei können moderne Alzheimer-Medikamente und spezielle verhaltenstherapeutische Maßnahmen die Erkrankung - je nach Krankheitsstadium - um Monate oder sogar Jahre verzögern und den Gesamtzustand der Patienten deutlich verbessern.
Auch das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) hat dieses Thema auf einer Fachtagung \"Menschen mit Demenz“ am Montag in Berlin behandelt. Experten und Expertinnen stellten vorbildliche Projekte zur Versorgung Demenzkranker und ihrer Angehörigen vor. In diesen Modellen, gefördert über das BMGS, geht es um zu Hause lebende und ambulant betreute Pflegebedürftige sowie deren Angehörige. \"Die Modellprojekte haben höchst innovative Konzepte zur pflegerischen Versorgung von Demenzkranken hervorgebracht und für deren Verbreitung gesorgt“, erklärte Ulla Schmidt. Diese Konzepte, wie beispielsweise ambulante Wohngemeinschaften, sollen nun auch an anderen Orten umgesetzt werden und weitere Nachahmer finden.